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POSTWEST \\ guess where

Transkulturelles Festival

Das transkulturelle Theaterfestival POSTWEST wollte im Mai 2020 Künstler*innen aus zehn Ländern zusammenbringen, die eigens dafür zwölf neue Stücke entwickelt haben. Die Volksbühne, mit ihrer bewegten Geschichte zwischen Ost und West, verkörpert wie kein anderes Theater den geeigneten Ort für die Begegnung mit den eingeladenen osteuropäischen Theatermacher*innen. Nun finden sich alle Partnertheater in einer neuen Realität wieder. Die COVID19-Pandemie bedeutete für uns als künstlerische Teams nicht nur den Ausfall der Festivalwoche im Mai, sondern auch das abrupte Ende der Vorbereitungsphase: Unsere Produktionen befanden sich kurz vor Probenstart, das gemeinsame Bühnenbild für das Große Haus entstand bereits in den Werkstätten der Volksbühne, der Zeitplan für die Festivaltage war finalisiert. 

Wie lässt sich dieses transkulturelle Theaterfestival nach einem Jahr Vorbereitungszeit ohne fertiggestellte Produktionen und ohne reale Bühne kurzfristig umsetzen? Mit einer Rückkehr zum Grundgedanken des Festivals, dem kollektiven künstlerischen Austausch. Die Kooperation, die die Partnertheater seit Juni 2019 für drei Workshops nach Berlin geführt hatte, intensivierten wir in den letzten Wochen. Statt der Volksbühne nutzen wir den digitalen Raum für grenzüberschreitenden Austausch und damit auch als Ort für unsere virtuelle Ausgabe von POSTWEST. 

An die Stelle der zwölf geplanten Inszenierungen treten nun digitale, die internationale Vernetzung reflektierende Beiträge, die an drei Tagen erstmalig einem weltweiten Publikum zugänglich gemacht werden: Online-Live Performances, Videos on demand, Audiotracks und Diskussionen der Theatermacher*innen zu ihren Erfahrungen mit POSTWEST. Ergänzt durch weitere Formate unseres Rahmenprogrammes, das bereits seit November 2019 einen thematischen Countdown zum Festival eingeleitet hat: Diskursveranstaltungen wie die Reihe Platform East, Begegnungen mit den Künstler*innen oder DJ-sets – natürlich alles digital.

POSTWEST entwächst somit seinem ursprünglichen Festivalcharakter als Bühnengeschehen und reagiert auf die neue Realität. Durch die Corona-Krise beobachten wir, wie sich viele Länder wieder nach innen wenden, und Informationen über die Situation in anderen Staaten als bloße Statistiken erscheinen. Das Nachdenken über historische Kategorien und Möglichkeiten ihrer Auflösung wird vor diesem Hintergrund wichtiger denn je. Ost oder West? Post-West, Post-Ost, Post-OstWest? Resultiert aus einem gemeinsamen kulturellen Erbe per se ein ähnliches Geschichtsbewusstsein? Ist die Zukunft überhaupt – mit einer Vielzahl an Ländern und Identitäten – gemeinsam zu denken und zu gestalten? Wie sehen für uns eine starke Zivilgesellschaft, ein solidarisches Miteinander, zukunftsrelevante Werte und demokratische Systeme aus? Wie können wir uns als Theaterschaffende also – auch in Zeiten eines globalen Lockdowns und ohne Begegnungen im öffentlichen Raum – weiter vernetzen und langfristige, transkulturelle Initiativen aufbauen, um künstlerisch auf die aktuellen Gesellschaftsdebatten zu reagieren?

Während die virtuelle Ausgabe des Festivals sich mit diesen Fragen beschäftigt, bildet sie zugleich das Fundament eines internationalen Netzwerks. Die vorgesehenen Produktionen werden an unseren Partnertheatern nach deren Wiederöffnung Premiere feiern und in deren Repertoires eingehen. Auf diese Weise und durch künftige Kooperationen lebt POSTWEST weiter als Ort, an dem künstlerische Disziplinen nicht nur aus individueller oder nationaler Perspektive betrachtet werden, sondern einen transkulturellen Kontext ergeben.

Besetzung
Kuratorin: Alina Aleshchenko
Kuratorische Mitarbeit: Wiebke Jahns
Dramaturgie: Degna Martens
Technische Produktionsleitung: Karina Zotz, Michael Ladner
Bühnenbild Große Bühne: Julian Marbach
Leiterin der Ausstattung: Ann-Christine Müller
Ausstattungsassistenz: Julius Florin
Künstlerische und Dramaturgische Beratung: Lucia Bihler, Hannah Schünemann, Elif Sözer

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Animierter Teaser: Yuliia Kantsedal
Musik: ZvukiPro.com © 2020