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Platform East: Urban Activism in Eastern Europe

Diskurs | In englischer Sprache

Diese Veranstaltung fand im Vorfeld des Festivals am 28.01.20 im Grünen Salon der Volksbühne statt.

Mit: Alexander Formosov (Dekabristen e.V., Berlin), Zuzanna Hertzberg (Künstlerin und Aktivistin, Warschau), Sasha Kurmaz (Künstler, Kiew), Lela Rekviashvili (Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig)
Moderation: Tsypylma Darieva (ZOiS, Berlin)

Im Zusammenhang mit Osteuropa hört man häufig von schwachen Zivilgesellschaften. Hartnäckig hält sich das Bild der verängstigten, politisch passiven Bürger*innen. Wer jedoch genau hinschaut, bemerkt, dass sich in Osteuropas Städten vielerorts Widerstand gegen neoliberale oder autoritäre Strukturen regt, der in kreativen Protestformen, künstlerische Interventionen und der (Wieder)-Aneignung städtischen Raums seinen Ausdruck findet. Aktivist*innen, Künstler*innen und Sozialwissenschaftler*innen zeigten an diesem Abend anhand von Bild- und Videomaterial, wie vielfältig und dynamisch urbaner Aktivismus in Osteuropa gegenwärtig ist, von Graswurzel-Aktionen im russischen Murmansk, über Mobilisierung von Straßenprotesten gegen Hochbauprojekte in Tiflis bis hin zu künstlerischen Interventionen in ukrainischen und polnischen Städten. Sie diskutierten über verschiedene Formen und unterschiedliche Effekte von urbanem Aktivismus in Osteuropa und fragen nach regionalen Besonderheiten und globalen Verbindungen.

 

Alexander Formosov studierte Geschichte, Europäische Ethnologie und Politikwissenschaft in Moskau und Berlin. Er setzt internationale transdisziplinäre Projekte mit den Schwerpunkten Urbanistik, Kultur, Bildung und Zivilgesellschaft in Osteuropa und Deutschland um. Bei Dekabristen e.V. ist Alexander derzeit als Projektkoordinator beim Bildungsprojekt ACT|UP tätig.

Tsypylma Darieva ist Sozialanthropologin und Wissenschaftlerin am ZOiS. Gemeinsam mit Carola Neugebauer gibt sie den Band „Urban Activism in Eastern Europe and Eurasia. Practices and Strategies“ heraus, der in Kürze bei DOM Publishers erscheint.

Zuzanna Hertzberg ist Malerin, Urheberin von Installationen und performativen Aktionen und künstlerische Aktivistin. Sie arbeitet zu den Themenfeldern Erinnerung und Körper und setzt sich mit Fragestellungen zu Identitäts- und Geopolitik auseinander. Zuzanna, die 2018 an der Akademie der Bildenden Künste Warschau promovierte, ist Mitglied der Antifascist Coalition und Mitbegründerin des Jewish Antifascist Block. Ihre Arbeiten waren bereits in einigen polnischen und internationalen Ausstellungen vertreten.

Sasha Kurmaz verfolgt in seiner künstlerischen Praxis einen post-konzeptionellen und multidisziplinären Ansatz, der auf seinen frühere Aktivität in der Graffiti-Szene zurückgeht. Der Fotograf arbeitet mit Fotografien, urbanen Interventionen und performativen Situationen, um soziale und politische Zusammenhänge mit den Mitteln der Poesie sowie aus einer politikwissenschaftlichen Perspektive heraus zu analysieren. Seine Arbeiten sind sehr direkt, lassen jedoch auch Spielraum für Interpretationen zu.

Lela Rekhviashvili ist Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) in Leipzig. Sie interessiert sich für Fragen der politischen Ökonomie in den post-sozialistischen Transformationsprozessen, urbane Informalität und Mobilität und soziale Bewegungen. In ihren Publikationen erforscht sie Zusammenhänge zwischen Vermarktung, sozialer Verankerung und Informalität. Ihr anstehendes Forschungsprojekt beschäftigt sich mit den gegen-hegemonialen Diskursen und den zivilgesellschaftlichen Praktiken an den Peripherien der ehemaligen Sowjetunion.

 

Platform East
Welche Formen zivilgesellschaftlichen Engagements existieren in Osteuropa? Welche Akteur*innen beteiligen sich an der Umgestaltung des öffentlichen Raumes? Wie hat sich das kollektive Gedächtnis im postsowjetischen Zeitalter verändert? Diese und andere Fragen stellt die neue Reihe Platform East im Kontext des transkulturellen Festivals POSTWEST. Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen aus Mittel- und Osteuropa sowie Osteuropaexpert*innen adressieren gesellschaftsrelevante Themen, die ihren Alltag prägen: Die Freiheit von Künsten und Medien, Erinnerungspolitik und die Konstruktion von Identitäten, Generationsbeziehungen und -konflikte sowie das Aufbegehren gegen politische Systeme. Durch das Zusammenführen verschiedener Professionen entstehen Denkcollagen, die Wissenshorizonte erweitern und als Ausgangspunkt für diverse Zukunftsszenarien und eine gemeinsame Utopie von POSTWEST dienen.

Die Serie Platform East ist eine Kooperation zwischen dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) und der Volksbühne Berlin. Mit Paneldiskussionen, Filmen, Lecture Perfomances und anderen Formaten, funktioniert die Reihe im buchstäblichen Sinne als Plattform: An der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Kunst, setzt sie jenseits existierender homogener Osteuropabilder an und bietet Raum für politische, gesellschaftliche und kulturelle Diversität.

In Kooperation mit dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS)